Erinnerung an Pankraz Reiter

† Am 16. Januar 1938 im Alter von 11 Jahren
durch Wechtenbruch am Gipfel des Fellhorns

Erinnerung

Dieses Marterl am Fellhorn erinnert an den am 16. Januar 1938 durch einen Wechtenbruch abgestürzten 11-jährigen Pankraz Reiter aus Reit im Winkl. Der Absturz löste den größten grenzüberschreitenden Bergrettungseinsatz vor dem 2. Weltkrieg aus. Beteiligt waren die Bergrettungen Waidring und Kössen sowie die Bergwacht Reit im Winkl. Dieser Bericht beruht auf den Aufzeichnungen der Bergwacht Reit im Winkl (veröffentlicht in der Chronik von 1985), den Erinnerungen von Hansl Artmann, den handschriftlichen Notizen von Martin Hausbacher sowie aus der Chronik der Bergrettung Waidring und des Wintersportvereins Reit im Winkl zum jeweiligen 50. Vereinsgründungsjubiläum. Was war geschehen:

Es war Sonntag, der 16. Januar 1938 vormittags, es gab Schneefall und Sturm. Der bereits traditionelle Abfahrtslauf vom Fellhorngipfel zum Ortseingang von Reit im Winkl war schon geplant. Daher befanden sich bereits seit dem Vortag etliche Reit im Winkler in der Almwirtschaft Eggenalm (heute Straubinger Haus). Pankraz Reiter und einige andere Buben hielten es nicht mehr in der Hütte aus und gingen mit ihren Ski aufs Fellhorn. Pankraz Reiter kam auf der dort regelmäßig anzutreffenden großen Wechte zu weit hinaus – diese brach ab und er stürzte mit riesigen Schneemassen in die Tiefe. Die Suche wurde von den Kameraden auf der Eggenalm sofort aufgenommen und bereits eine Stunde später war die Bergwacht Reit im Winkl im Aufstieg zum Fellhorn. Es brachen noch weitere Teile der Wechte ab, wodurch fast eine weitere Einsatzkraft abgestürzt wäre.

Unglücksstelle und Routen der Helfer aus der Perspektive der Steinplatte in Richtung Fellhorn (c) Archiv Bergwacht Reit im Winkl
Abbildung 1: Mit † markiert die Unglücksstelle. Linien 1 und 2 markieren die Zustiegsrouten der Bergretter und Bergkameraden. Bild entnommen aus der Chronik der Bergwacht Reit im Winkl.

Unter akuter Lebensgefahr für die Retter drang man am gleichen Tag noch auf der Route 1 vor, musste aber, ohne Spuren zu finden, umkehren. In den nächsten Tagen beging man Route 2 und Einsatzkräfte der Bergrettungen aus Waidring und Kössen suchten zusätzlich am Lawinenkegel am Wandfuß. Es gab Nachlawinen. Nur knapp und mit viel Glück kam es zu keiner Katastrophe. Bei anhaltend schlechtem Wetter und Nachlawinen wurde die Suche durch die Rettungsmannschaften nach drei Tagen erfolglos eingestellt.

Aus der Chronik der Bergrettung Waidring

„Die Suche nach dem Verschütteten verlief äußerst dramatisch und wurde teilweise von einem Nichtbergrettungsmann geleitet. Es stellten sich auch prompt schwere Auseinandersetzungen mit den Bergrettungsleuten ein. Anhaltendes Tauwetter brachte höchste Lebensgefahr für die Retter. Einer niedergehenden Nachlawine entkamen alle nur mit knapper Not. Die Suche wurde abgebrochen. Die Grenze der Verantwortbarkeit für das Leben der Rettungsmannschaften wurde bei diesem Einsatz erheblich überschritten.“

Die nächste Suche konnte erst nach dem Winter am 06. Juni 1938 gestartet werden. Das Feld der Hauptlawine war immer noch bis zu 200 Meter breit und 900 Meter lang. Es wurde ein Skistock gefunden. Zwischen der Felswand und dem Lawinenkegel war schon längst eine Kluft ausgeapert, in die man hinabkletterte – man kam zu dem Schluss, dass der Schnee noch bis zu 30 Meter (!) hoch lag.

Die nächsten erfolglosen Suchen seines Bruders Sepp Reiter und seiner Skikameraden und der Bergwachtler fanden am 12. und 16. Juni statt. Am 19. Juni wurde von Martin Hausbacher der nächste Sucheinsatz organisiert. Dabei stieg man bereits am Vortag zur Bergwachthütte auf die Eggenalm auf und startete um 3.00 Uhr am Morgen mit Sepp Reiter, dem Bruder des Verunglückten, und Hans Salvenmoser zum Fellhorngipfel und stieg von dort zur Lawine ab, die man um 5.30 Uhr erreichte. Stefan Zuck war mit seinem Motorrad direkt nach Waidring gefahren und zur Lawine aufgestiegen.

Die Randkluft war inzwischen wesentlich breiter geworden. An einer neuen Stelle stieg Martin Hausbacher am Bergschrund ca. 25 Meter am Hanfseil gesichert ab. Am Boden des Bergschrundes konnte er in völliger Dunkelheit mit seiner Lampe den Buben endlich finden. Die Leiche wurde nach oben gebracht und dort im Schnee vergraben, da für den weiteren Abtransport zu diesem Zeitpunkt keine Möglichkeit bestand. Die Einsatzkräfte mussten in einem körperlichen Kraftakt erneut drei Stunden zum Fellhorngipfel aufsteigen und weiter nach Reit im Winkl absteigen.
Am nächsten Tag wurde der Verunglückte vom damaligen Bürgermeister Sepp Mühlberger – auch Bergwachtmann – zusammen mit den anderen Beteiligten geborgen und ins Leichenschauhaus nach Reit im Winkl gebracht. Erst damit war für die Eltern die lange Zeit der Ungewissheit beendet und das Kind konnte bestattet werden.

Sterbbild Pankraz Reiter (c) Archiv Bergwacht Reit im Winkl
Abbildung 2: Sterbbild Pankraz Reiter
Marterl Fellhorn Pankraz Reiter (c) Mount Inspire Hannes Heigenhauser
Abbildung 3: Gedenkstein

Seine Skikameraden und Finder errichteten an der Absturzstelle ein Gedenkkreuz, damit es den Skifahrern Warnung und Mahnung sei. Dieses Kreuz wurde in den 1960er Jahren durch diesen Gedenkstein aus Ruhpoldinger Marmor ersetzt. Der Stein stammt vom Reit im Winkler Kreuzweg zur Eckkapelle. Nachdem das von Bärbel Schlechter gemalte Bild ausgebleicht war, wurde ein Neues beauftragt. Das neue Bild (2025) wurde vom Reit im Winkler Künstler Hans-Josef Schmitz gemalt. Der Marmorstein wurde von der Bergwacht Reit im Winkl im September 2025 neu gesetzt, das Bild im Rahmen der Bergmesse gesegnet und ein QR-Code mit dem Link zur Geschichte angebracht.
Das Rennen vom Fellhorn bis zum Ortseingang von Reit im Winkl fand nach diesem Unglücksfall nicht mehr statt. Große Teile der ungespurten Rennstrecke sind inzwischen bewaldet. Somit bleiben auf dieser Strecke mit herausragenden Bestzeiten von 28 Minuten Abfahrtszeit Georg Schlechter (Stres) im Jahr 1928 und Sepp Aigner (Oberschneider) 1931 in den Geschichtsbüchern des Wintersportvereins dokumentiert.

– Sepp Heigenhauser

Bergwacht Reit im Winkl 

Zur Bergwacht
Reit im Winkl

Sie können mit Ihrer Spende die Arbeit der Bergwacht Reit im Winkl unterstützen!